Patenschaftsnetzwerk im Familienland

„Ideenskizze zum Familienland Stettiner Haff“ 13.10.2007(Fels, Fänderl)

WAS?

Beschreibung

Die Entwicklung hin zu einer älter werdenden Gesellschaft mit Abwanderungsprozessen ist in vollem Gange – deutschlandweit aber gerade auch in Uecker-Randow und Ost-Vorpommern. Deshalb macht es Sinn, sich über Kommunen, Altersgruppen, Bildungsstände und Arbeitsfelder hinweg über das weitere Vorgehen auszutauschen, gemeinsam Strategien zu entwickeln und zusammenzuarbeiten.

Im Zuge des Modellvorhabens Demografischer Wandel in der Modellregion Stettiner Haff (Programm des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zum Aufbau Ost) wurde am 28. Juni 2007 das Projekt „Familienland Stettiner Haff“ beantragt. Es soll in erster Linie zur Profilierung der Familienfreundlichkeit der Region dienen, tragfähige Vernet-zungsstrukturen aufbauen und neue Konzepte der Kinder- und Jugendbeteiligung entwickeln helfen.

Die Gelder unterstützen 1 ½ Jahre Prozessbegleitende Maßnahmen (Management, Moderation und fachliche Begleitung) im Handlungsfeld 3 (Familie; evtl. auch 2: Bildung, Qualifizierung und Arbeitsmarkt). Voraussichtlicher Zeitraum: März 2008 bis September 2009.

Dem Lokalen Bündnis für Familien, als erfahrenem Träger des Projekts, gelang es bereits im Vorfeld (20.08.2007) unterschiedliche Schlüsselpersonen des Landkreises zu einem Info-Workshop einzuladen, in dem Vernetzung angeregt und konkrete Folgeschritte im Rahmen des Modellprojekts angedacht wurden.

Hierbei wurden vier mögliche methodische Schwerpunkte des weiteren Vorgehens konkretisiert:

a) Aufbau Koordinationskreis für einen familienfreundlichen Landkreis (institutions- und gruppenübergreifend)

b) Sozialraumanalyse (Kommunalebene) und Aktionsforschung vor Ort (Multiplikatoren- und Zielgruppenebene)

c) Interkommunale Kinder- und Jugend-foren mit jungen Menschen, Multiplikatoren und Entscheidern

d) Aufbau eines Patenschaftssystems (Freiwilligennetzwerk zur niederschwelligen Unterstützung von Familien und Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen; evtl. auch Schulung von Familienhelfern/innen und Freizeitbegleitern/innen)

So entstand der inhaltliche Fokus und Arbeitstitel: „Patenschaftsnetzwerk im Familienland" der alle Bewohner des Landkreises ansprechen will, die Kinder- und Jugendfreundlichkeit der Region mitzugestalten: Multiplikatoren der Kinder und Jugendarbeit (Lehrer, Pädagogen, Elternvertreter), Vertreter von Wirtschaft, Medien und Politik, sowie die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen selbst.

Ältere engagieren sich für die Zukunft der Jüngeren und umgekehrt! Ein Patenschaftssystem, das sich gruppenübergreifend entwickeln und als Slogan nach außen getragen werden wird, um damit zukünftig über die Region hinaus anziehend für Familien und Arbeitgeber zu werden. Eine qualifizierte Dokumentation und Evaluation wird das Modell für andere Regionen nachvollziehbar machen.

Ziele:

Stärkung der Profilierung der Familienfreundlichkeit in der Region durch Verbesserung der altersübergreifenden Beteiligungsmöglichkeiten

Schaffung nachhaltiger Strukturen zur Vernetzung und Qualifizierung im Kinder- und Jugendbereich

Förderung von Identifikation mit und Engagement für die eigene Lebenswelt durch sinnvolle Einbindung von Kindern und Jugendlichen

Optimierung und Koordination der Zusammenarbeit vorhandener wie neuer Angebote für Kinder, Jugendliche, junge Familien und Senioren Vermittlung demokratischer Teilhabe und praxisorientierter Partizipation von Kindern und Jugendlichen

Dokumentation und Evaluation des Vorhabens für interne Beteiligte wie extern Interessierte

Kontext

Das Familienbündnis Uecker-Randow wurde 2005 gegründet, hat inzwischen 26 Bündnispartner und repräsentiert ca. 15% der Einwohner des Landkreises. Mit familienfreundlichem Handeln möchten die Partner im Bündnis dem gegenwärtigen Trend in der Bevölkerungsentwicklung entgegen wirken:

Abwanderung vor allem junger Menschen unter 25 Jahren aus der Region wachsende Überalterung steigende soziale Segregation zunehmend schwierige Schul- und Freizeitsituation der Kinder und Jugendlichen, sowie fehlende Lobby

Den Dialog zwischen den Generationen zu fördern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Förderung eines Generationspaktes sind deshalb zentrale Handlungsfelder des Bündnisses. Verschiedene Aktivitäten in diesen Bereichen wurden bereits entfaltet (siehe WER, S. 3f).

Mit dem Vorhaben „Patenschaftsnetzwerk im Familienland“ wird im Rahmen der Modellregion Stettiner Haff ein Prozessanstoß ermöglicht, der den enormen Strukturbruch durch die politische Wende und die fehlende Partizipationskultur von Kindern und Jugendlichen in den beiden Landkreisen ausgleichen hilft. Mit dem Vorhaben sollen entsprechende Identifikationsmöglichkeiten geschaffen werden, die nicht nur die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen sondern auch die der Familien und der Bevölkerung insgesamt verbessern können.

WER?

Zielgruppen / Beteiligte

1. Kinder und Jugendliche werden als Experten in eigener Sache ernst genommen (Spiel, Sport, Schule, Freizeit, Wohnumfeld) und können mit kleineren und größeren Aktionen auf die Partnerschaft mit den Erwachsenen vorbereitet werden.

2. Die Multiplikatoren/innen, welche sich aus Eltern, Lehrern/innen, Pädagogen/innen und Erziehern/innen zusammensetzen, haben sowohl ihre eigenen Interessen zu klären und abzusprechen, als auch die Jugendlichen dabei zu unterstützen, Perspektiven und Ideen zu entwickeln.

3. Die Entscheider/innen aus Politik, Verwaltung, Medien und Wirtschaft müssen ihre eigenen Pläne und Prioritäten herausarbeiten, was die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen betrifft, um angemessene Angebote jugendgerecht darzustellen und unterstützen zu können

Initiatoren / Koordinierende

Das Familienbündnis Uecker-Randow wurde im August 2005 gegründet und ist beim Demokratischen Frauenbund Torgelow als Träger angesiedelt.

Bündnissprecher Peter Fels ist ehrenamtlicher Koordinator des Bündnisses und könnte die hauptamtliche Koordination des Projektes mit einer halben Stelle übernehmen. Er ist ausgebildeter Kaufmann und ...

Mittlerweile gibt es 26 Bündnispartner die ca. 15% der Einwohner des Landkreises repräsentieren.

In drei Arbeitsgruppen werden Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wiedereinstieg nach Elternzeit und die Betreuung von Pendlerfamilien bearbeitet. Dabei wurden mehrere Projekte erfolgreich durchgeführt: Ein Mehrgenerationenhaus wurde 200? in Torgelow gegründet...[bitte passende Beispiele in jeweils einem Satz beschreiben]

Derzeit ist ein entsprechendes Bündnis für Familie im Landkreis Ostvorpommern in Gründung. Ein Mehrgenerationenwohnhaus ist im Rahmen dieses Modellvorhabens in Anklam beantragt.

Das Lokale Bündnis für Familie hat die Brisanz des Themas in vielen Vorgesprächen erörtert, zur Etablierung eines grup-penübergreifenden Initiativkreises eingeladen und 35 Schlüsselpersonen aus unterschiedlichen Bereichen und Kommunen waren bereits beim ersten Treffen daran interessiert.

Beratung / Begleitung

Das Modellvorhaben wird durch Forschungsergebnisse und Erfahrungen mit einem Projektverfahren zur Förderung freiwilligen Engagements (Universiät München & Bertelsmann-Stiftung 2000 bis 2004) beraten und unterstützt. Die „Gemeinsinn-Werkstatt“ wurde Anfang des Jahres auch der Projektleitung des Modellvorhabens Demografischer Wandel am BMVBS (Prof. Eyink und Fr. Gefken) vorgestellt und als hilfreich erachtet.

Die methodische Unterstützung durch Hrn. Fänderl, den Entwickler und Herausgeber des Handbuchs „Beteiligung übers Reden hinaus“ (Gütersloh 2005) von Netzwerk Gemeinsinn e.V. (vgl. www.netzwerk-gemeinsinn.net) wurde bereits angefragt und wird durch weitere Experten für Evaluation, Aktionsforschung und Großgruppenmoderation aus Berlin und vor Ort ergänzt werden.

Ressourcen

Die Aktivitäten sind auf Nachhaltigkeit angelegt und werden langfristig von den bestehenden Institutionen und Kommunen getragen. Der Aufbau benötigt jedoch eine Anschubfinanzierung für Koordination und fachliche Beratung des Projekts, zur Etablierung der Vernetzungsstruktur sowie zur Anschaffung nötiger Instrumentarien (z.B. Webplattform, Moderationsmaterial) und Entwicklung von Dienstlei-stungen (z.B. Training Familienhelfer und Freizeitbegleiter).

Entsprechendes Beratungs- und Methodenwissen wird die Kolleginnen und Kol-legen vor Ort qualifizieren und langfristig dafür sorgen, dass das Netzwerk und ähnliche Projekte auch weiterhin fortgeführt werden können.

Vom Bundesministerium ist für die 1 ½ Jahre Projektlaufzeit ein einmaliger Zuschuss von 100.000,- € veranschlagt.
Je nach Entwicklung werden weitere Gelder für ergänzende Maßnahmen von Trägern, Kommunen, Ministerien, Stiftungen und Sponsoren eingeworben werden müssen.

Ansonsten sind viel Fach- und Sachverstand, Räume und organisatorische Rahmenbedingungen, berufliches wie freiwilliges Engagement vor Ort vorhanden, um das groß angelegte Vorhaben zu ermöglichen. Einzelvorhaben werden zum Großteil aus Eigenmitteln finanziert und selbst verantwortet werden.

WIE?

Grundlegende Gedanken zum Projektverlauf

Bereits in der ersten Beantragung des Modellvorhabens vom Juni 2007 hieß es: „Diese guten Ansätze in der Region sollen in einem moderierten Verfahren zusammengeführt, koordiniert und auf gemeinsame Ziele ausgerichtet werden.
Im Sinne einer Ideenschmiede (Salonidee) sollen Strategien und Projekte gemeinsam mit Experten und Vertretern guter Beispiele aus anderen Regionen für die Profilierung der Region als familienfreundliche Region entwickelt und in Form eines Aktionsplans umgesetzt werden. Zentrale Aufgaben sind dabei, gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft Modelle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. Ausbildung zu entwickeln und das Image der Region als Familienfreundliche Region zu verbessern.“

Der Informationsworkshop der 35 Interes-senvertreter mit Vernetzungsberatung Fänderl vom 20.08. half das Vorhaben zu konkretisieren. Hier einige der Ergebnisse:

Das Projektverfahren Gemeinsinn-Werkstatt empfiehlt ein schrittweises Vorgehen, um eine gute Breitenwirkung zu erzielen. Dabei ist die Bildung von entscheidenden und koordinierenden Gremien angedacht, um selbstorganisierte Aktivitäten zum gemeinsamen Thema zu motivieren und gruppenübergreifend zusammenzuarbeiten.

Ein guter Beteiligungs- und Vernetzungsprozess braucht drei grobe Phasen um nachhaltig zu wirken: Aktivierungs-, Realisierungs- und Integrationsphase

Die Gemeinsinn-Werkstatt konzentriert sie sich auf das Thema und die breite Einbeziehung von Ressourcen vor Ort, um nachhaltig auch weitere Prozesse anzustoßen. Sie berät Vernetzungsprozesse und qualifiziert methodisches Vorgehen. Die Integrations-phase wird besonders betont, da hier gegenseitig aus Erfolgen wie Fehlern gelernt werden kann.

Es ist wichtig im Projekt eine gemeinsame, sinnvolle Perspektive und den Mehrwert von Zusammenarbeit herauszuarbeiten, damit es leichter fällt aufeinander zuzugehen und Teilauf-gaben abzugeben bzw. abzunehmen.

Das Projekt „Patenschaftsnetzwerk im Familienland!“ wird eine Grundhaltung entwickeln, die vor allem eigene Kenntnisse und Möglichkeiten von Alt und Jung ins Blickfeld rückt, mit denen das gemeinsame Ziel der „Familienfreundlichen Region“ erreicht werden kann. Der Bund gibt einen subsidiaren Anstoß, die Länder- und Kommunalvertreter greifen ihn auf und sind damit Modell für Multiplikatoren wie Jugendliche vor Ort sowie Interessierte außerhalb.

Die vier Projektsäulen

Derzeit sind vier z.T. parallel laufende Teilprojekte angedacht

a) Aufbau eines Koordinationskreises für einen familienfreundlichen Landkreis

Ausgehend von den Erfahrungen der Gemeinsinn-Werkstatt werden 9 Schritte vorgeschlagen, welche die verschiedenen Beteiligten einladen und unterschiedlichen Aktivitäten bündeln helfen.

Institutions- und gruppenübergreifend wird bereits zu Beginn des Projektes ein Initiativkreis aus Schlüsselpersonen etabliert werden, der die verschiedenen Regionen und Interessen in Bezug auf das Thema repräsentiert.
Gemeinsam werden das Thema und die Ziele konkretisiert und ein Projektverlauf skizziert in dem sich alle einbringen können. Der Initiativkreis trifft sich nur um Entscheidungen abzustimmen und die Grundlagen bereitzustellen.

Ein Projektkreis übernimmt in diesem Verfahren die Koordination der Basisaktionen (Forschungsvorhaben, Veranstaltungen, Webportal, Beratung und Evaluation) des Gesamtprojekts. Eine Koordinationsstelle sorgt für den Informationsfluss und die Organisation der Treffen.

Im Rahmen des ersten Veranstaltungskreises genannt „Aktivierungsforum“ (vgl. Interkommunale Kinder- und Jugendforen) wird zur Zusammenarbeit eingeladen und es entstehen freiwillige und selbstorganisierte Aktionskreise mit Beteiligten aus unterschiedlichen Bezugsgruppen (Kinder, Multiplikatoren, Politikvertreter)

Nach dieser Aktivierungsphase kommt es zu einer einjährigen Realisierungsphase, in der jede Gruppe ihre Vorhaben umsetzt und von Initiativ- und Projektkreis logistische Unterstützung erhält (Moderation, Informationsaustausch, Räume).

Die Besonderheit des Gemeinsinn-Werkstatt-Prozesses ist die Integrationsphase, die dabei hilft aus Erfolgen wie Fehlern zu lernen und das Projekt angemessen abzuschließen und zu feiern. Eine partizipative Evaluation wird beim abschließenden Kinder- und Jugendforum (Integrationsforum) helfen, eine intersubjektive Einschätzung des Gesamtprozesses zu erhalten. Danach bleibt für Projekt- und Initiativkreis die Aufbereitung der Ergebnisse für die breite Öffentlichkeit.

b) Sozialraumanalyse und Aktionsforschung vor Ort

Um sich auf partnerschaftlicher Ebene zu begegnen und Grundlagen für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Interessengruppen zu schaffen, sind vorbereitende Maßnahmen auf Kommunal-, Multiplikatoren- und Zielgruppenebene nötig.

Auf kommunaler Entscheider-Ebene kann eine empirische Analyse der Lebensraumbedingungen klären, wo Handlungsbedarf besteht und politische Maßnahmen ansetzen müssen, um eine „familienfreundliche Region“ zu schaffen. Beispiele für Sozialraumanalysen gibt es zahlreiche (u.a. Projekte NAIS bzw. MitWirkung der Bertelsmann-Stiftung), die für die Region und das Vorhaben spezifiziert werden können.

Auf Multiplikatoren- wie Zielgruppenebene gibt es unterschiedliche Verfahren der Aktionsforschung, die z.B. mit Interviews (z.B. nach dem „Community-Organizing-Ansatz“ oder im Geiste „Wertschätzender Interviews) bei den Betroffenen Chancen und Hinderungsgründe für das familienfreundliche Ziel herausfinden, bündeln und darstellen können. Bewährt haben sich hier auch Formen, in denen Jugendliche Erwachsene und umgekehrt befragen können.

Die Methoden aktivierender Befragung erreichen durch konkretes Zugehen auf die Betroffenen, dass es nicht immer die gleichen Engagierten bleiben, die sich beteiligen, sondern auch neue Interessierte auf die anschließenden Präsentations- und Austauschveranstaltungen kommen.

Am Ende wären diese Ergebnisse eine Grundlage für die weitere Handlungsplanung aller Beteiligten und würden eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe ermöglichen. Das Geben und Nehmen könnte damit ausbalanciert werden und die Jugendlichen würden als Partner ernster genommen werden, als in einer klassischen Kinder- und Jugendkonferenz, bei der nur Wünsche der jungen Generation Berücksichtigung finden.

c) Interkommunale Kinder- und Jugendforen

Diana Manthey (Lokales Bündnis für Familien) und Sophia Eisold (Kompetenzagentur) haben bei dem Info-Workshop im August bereits das Veranstaltungsverfahren Open Space vorgestellt, um die Konferenzform plastischer zu machen und die besondere Dynamik vorzustellen, wie jugendgerecht und interessenorientiert Themen behandelt und erarbeitet werden können. Das Verfahren Open Space wird auch bei den Aktivierungsforen der Gemeinsinn-Werkstatt gerne genutzt und stimmt mit den Zielen des Freiwilligkeit und Selbstorganisation fördernden Verfahrens überein.

Die Gemeinsinn-Werkstatt kombiniert diese Austausch-Methode mit weiteren Kennenlern- und Konkretisierungstechniken, die zur konkreteren Verabredung von Aktivierungskreisen führen.

Drei Monate vor Abschluss des Projekts wird dann das zweite Kinder- und Jugendforum veranstaltet, das dann Ergebnisse präsentiert, in Austausch und Feierlaune bringt. Als „Integrationsforum“ sorgt es für das Lernen aus Erfolgen wie Fehlern und sorgt für entsprechende Kontaktvertiefung, Nachhaltigkeit und weiterführende Absprachen der Mitwirkenden.

d) Aufbau eines Patenschaftssystems

Zentrale Ausrichtung könnte der Aufbau eines Freiwilligennetzwerks zur niederschwelligen Unterstützung von Familien und Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen sein.

Die Erfahrung der Kollegen und Kolleginnen vor Ort macht deutlich, dass viele Familien, die eigentlich Hilfe und Unter-stützung bräuchten (Tipps zur Erziehung, kurzfristige Kinderbetreuung zuhause, mittelfristige Betreuung in Ferien, langfristige Hausaufgabenhilfen etc.) sich schwer tun, professionelle Hilfe anzunehmen, da sie selbst dies nur für extreme Krisensitua-tionen als angemessen erachten.

Ein Freiwilligen-Netzwerk, das professionell geleitet wird und eher zwischen Interesse und freiwilligem Engagement vermittelt, könnte eine wichtige Lücke zur familienfreundlichen Region füllen. Direkte Hilfe käme nämlich dann von interessierten Jugendlichen (Baby-Sitter, Freizeit-Coach), erfahrenen älteren Müttern und Senioren (Tipps zum Kochen und zur Kinderpflege) oder von weiteren Interes-sengruppen (Aufbau von Kinderspielplatz, selbstorganisierte Fahrten zur nächst gelegenen Disko).

Ein oder mehrere Treffpunkte zum Kennenlernen, ein oder mehrere Ratgeber für Freiwillige wie Familien und professionelle Unterstützung in Krisensituationen könnten Teile des Konzeptes sein, was in dieser Region gemeinsam erarbeitet werden würde.

Damit könnte auch eine Schulung von Familienhelfern/innen und Freizeitbegleitern/innen kombiniert werden, die als Vorstufe zur Erzieher- und Sozialpädagogen-Ausbildung gelten könnte.

In der Projektbeschreibung vom Juni 2007 heißt es: „Zudem ist zu prüfen, ob in Kooperation mit dem innovativen Studiengang „Early Education“ der Hochschule Neubrandenburg modellhaft an zwei oder drei Standorten gute Angebote der Kinderbetreuung und frühkindlichen Erziehung konzipiert und umgesetzt sowie ein Netz von Tagesmüttern aufgebaut und qualifiziert werden kann bzw. soll.“

Diese Ausbildung von freiwillig Engagierten wäre als Qualifizierung von einem institutionalisierten Träger anzubieten und von einer Art „regionalen Freiwilligen-Agentur“ zu koordinieren, wovon es im Landkreis Interessenten gibt.
Die Finanzierung würde für dieses Vorhaben entweder aufgestockt oder von anderer Seite akquiriert werden müssen.

Budgetierung

Als grobe Richtlinie hier ein paar Zahlen, die noch an der Situation vor Ort gemessen werden müssen:

Halbe Stelle für koordinierende Projektleitung (1 1/2 Jahre) ca. 45.000,- € (incl. aller Abgaben)
Beratung Gesamtprozess mit Moderation Koordinationskreise: ca. 25.000,- €
Forschungsvorhaben Sozialraumanalyse und Aktivierende Forschung: 25.000,- €
Partizipative Evaluation: ca. 15.000,- €
Organisation 2 Kinder- und Jugendforen à 3 Tage mit Übernachtung und Verköstigung: ca. 25.000,- €
Vernetzungsmaßnahmen Patenschaftsprojekt 20.000,- €
Fortbildung Familienhelfer und Freizeitbegleiter 45.000,- € (halbe Stelle in Bildungseinrichtung)
Material- und Fahrtkosten: 10.000,- €

200.000,- € sind realistische Kosten am unteren Limit, wenn das volle Programm gefahren wird, marktübliche Preise bezahlt würden und keine Eigenleistungen von den Beteiligten erbracht würden. Es liegt jetzt in der Kunst des Koordinators in Absprache mit der Beratung Partner zu finden, mit denen er Alternativen überlegt, Dienstleistungen günstiger bekommt oder weitere Fördertöpfe findet.